(D) Rundgang

Textil + Betten
 THOBA   Miesbach - Bahnhofplatz

www.thoba.de

Willkommen in der Kreisstadt Miesbach

 Die Kreisstadt Miesbach zählt zu einem der Hauptzentren von Oberbayern. Nicht zuletzt darum, liegt die „Wiege der Trachtenbewegung“ hier. Unsere Stadt finden Sie direkt im Zentrum des bayerischen Voralpenlandes, südlich von München.

Miesbach liegt auf 688,85 m üNN (Höhenmarke Rathaus). Höchster Punkt ist der Stadlberg mit 924 m. Die Gesamtgröße ist 32,15 qkm. Der Bevölkerungsstand der Stadt Miesbach war am 01.01.2006: 12.245 Einwohner.
Die Einkaufs-, Behörden- und Schulstadt Miesbach ist nicht nur am Donnerstag Vormittag zum „Grünen Markt“ am Marktplatz und zum Zuchtviehmarkt in der Oberlandhalle einen Besuch wert. Die braun-weiß gefleckten Kühe – das in alle Kontinente exportierte „Miesbacher Fleckvieh“ – werden in unserer Region gezüchtet und zieren nach wie vor unsere Wiesen und Weiden.

Miesbach  hat auch anderweitig allerhand zu bieten: Einen der schönsten ensemblegeschützten Altstadtbereiche in Oberbayern, mit vielen verwinkelten Gassen und Plätzen sowie einen Marktplatz mit prächtigem Maibaum und die „boarische Gemütlichkeit“.

Für Abwechslung und Unterhaltung sorgt eine Vielzahl sportlicher und kultureller Einrichtungen wie Sportpark, Warmfreibad, Eishalle, Tennis- und Schießanlagen und das Kulturzentrum Waitzinger Keller mit Opern, Operetten, Theatern, Kabarettabenden und vielem mehr.

Bei uns wird noch das ursprüngliche Brauchtum bewahrt und weitergegeben. Nicht ohne Grund spricht man von Miesbach als der „Wiege der Trachtenbewegung“. Im Altstadtbereich findet man die traditionsreichen Handwerksbetriebe und Geschäfte, die noch die ursprüngliche Tracht anfertigen und verkaufen. Die weltbekannte „Miesbacher Tracht“ wird bis heute aus Tradition und Verbundenheit zur Heimat getragen.

 Wir möchten Sie einladen zu einem Spaziergang durch die historische, ensemblegeschütze Altstadt von Miesbach:

 

Ein Spaziergang durch die wechselvolle
Miesbacher Geschichte



Stadtspaziergang: Waitzinger Keller - Stadtplatz - Marktplatz – Ev. Kirche -  Rathausstraße - Fraunhoferstraße - Rathaus - Bahnhofplatz - Marienplatz – Kath. Stadtpfarrkirche (ca. 2 Stunden)

(1) Der Waitzinger Keller ist 1877 als Bierkeller mit vier großen Tonnengewölben im Keller und 1905 mit Saalbau und Bühne im ersten Stock erbaut worden. Der Waitzinger Keller gehörte zur gleichnamigen Brauerei, die 1817 aus königlich-wittelsbachischem Besitz an die bürgerliche Familie Waitzinger gegen 43.200 Gulden auf Anregung der Staatsschuldentilgungskommission überging. Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns Max, (des Sohnes des Erwerbers Augustin Waitzinger), übernahm die Gattin Susanne Waitzinger, eine tatkräftige und fromme Frau, 1855 den Besitz und errichtete 1877/78 "inmitten eines blumenreichen und herrlichen Gartens die geräumigen Kellerhallen, die an Umfang den ersten Kellerhallen Münchens nicht viel nachstehen dürften".

Im Sommer 1905 wurde von ihrem Enkel Carl Fohr begonnen, den Keller mit einem Saalaufbau zu versehen. Der Saal wurde im Jugendstil mit farbigen Wandfenstern und feiner Stuckierung ausgestaltet. Der Miesbacher Kunstmaler Alois Dirnberger schmückte die Kellerhalle mit passenden Bildern und sinnigen Sprüchen aus. Am 5. August 1906 fand die feierliche Eröffnung statt: "Der Saal ist vorläufig ganz in Weiß, das südliche Ende bildet die Bühne, in die nördliche Wand ist ein riesiges gemaltes Fenster eingelassen. ... Der Saal, der wirklich eine Errungenschaft für Miesbach ist, faßt in der splendiden Verteilung der Tische wie gestern bequem 600 Personen ..."

Der Saal war lange Zeit Mittelpunkt des Miesbacher Gesellschafts- und Vereinslebens, wurde nach 1976 wegen Baufälligkeit geschlossen, 1987 mit einem Grundstücksumgriff von der Stadt erworben und entsprechend eines Stadtratsbeschlusses von 1992 in den Jahren 1993 - 1997 zu einem Kulturzentrum umgestaltet. Seitdem ist der Waitzinger Keller Kultur-, Tagungs- und Veranstaltungszentrum der Kreisstadt Miesbach.

(2) Trachtenhütte: Unser Weg führt weiter zur Stadtmitte, und wir kommen am Trachtenheim vorbei. Das liebevoll "Trachtenhütte" genannte Haus dient der ältesten Trachtenvereinigung (1859), des "Heimat- und Volkstracht-Erhaltungs-Verein e.V." als Heimstatt für Plattlerproben, Vereinsversammlungen und Sitzungen. Ein Gemälde mit Personen in Miesbacher Festtracht von Kunstmaler Sepp Stallhofer (1980 entstanden) ziert den Eingangsbereich im Osten.

Die Trachtenbewegung hat ihre Wiege in Miesbach, die Miesbacher Tracht wurde in der Folge zum Synonym für bayerische Tracht. Am 4.4.1859 entstand der Vorläufer des heutigen Trachtenvereins, die „Gesellschaft Gemüthlichkeit“. Sie war die erste vereinsmäßige Organisation, die sich um den Erhalt der heimischen Tracht bemühte.

(3) Der Stadtplatz, auch "Oberer Markt" nach der früheren Bezeichnung genannt, ist erstes Siedlungszentrum direkt unter dem ältesten Miesbacher Burgberg. Die alte Salzstraße von Rosenheim nach Tölz durchlief diesen Platz, von Parsberg her kommend und über den Talgrund der Schlierach weiterführend. Unter dem Stadtplatz fließt der namensgebende Bach „Miesbach“, bis 1824 in offenem Gerinne und u.a. als Roßschwemme benutzt. Der Name leitet sich vom Dialektwort "Mias" = Moos her. Der Bach trat in der Geschichte oft über seine Ufer, zum letzten Mal 1946, und verursachte verheerende Schäden. 1989/90 ist er nach den Berechnungen des Jahrhunderthochwassers im Rahmen der Altstadtsanierung hochwasserfrei unterirdisch ausgebaut worden. Er fließt unter der Ledererstraße und Frühlingstraße unter den Bahngleisen zur Schlierach. Vor dem großen Brand 1783 lag der städtebauliche Schwerpunkt Miesbachs am Stadtplatz, der von dem im 17. Jahrhundert nördlich des ältesten Burgplatzes neu erbauten Schloß (Münchner Straße 1) überragt wird.

(4) Anwarthaus (Haindlkeller): Zum Schloß gehörte der sogen. Haindlkeller, das ehemalige Anwartshaus der Maxlrainer Grafen, am Fuß des Berges (Rosenheimer Straße 2). Zur Barockzeit war das Anwartshaus ein imposanter Herrschaftsbau, in dem der Anwärter auf die Regierung residierte. (Bis 1872 mit Markttor). Im Keller befinden sich ausgedehnte Tonnengewölbe aus dem 16./17. Jahrhundert, während das daraufstehende Wohnhaus mit Krüppelwalmdach 1923 nach Plänen des Architekten Karl Wegele in historisierender Form errichtet wurde. 1984/85 wurde das Haus instandgesetzt und für Wohnungen ausgebaut.

(5) Die Villa Kammerer wurde 1863 erbaut für den Königlichen Notar Kammerer im Stil der Maximilianszeit. Von 1887 bis 1892 logierte der Dichter und Nobelpreisträger Paul Heyse mehrmals hier.

(6) Das Amtsgericht Miesbach wurde im Jahre 1901 als „Königlich Bayerisches Bezirksgericht“ errichtet. Der neurenaissance Putzbau aus der Gründerzeit ist noch immer das zuständige örtliche Gericht für den Landkreis Miesbach.

(7) Landratsamt: Dieser Bau in modern-historisierender Form wurde 1914 als Bezirksamt erbaut. Später wurden die Bezirke in Landkreise umgewandelt. Nunmehr ist dieses Gebäude  der Sitz der Kreisverwaltung, des Landratsamtes Miesbach. Das Gebäude ist zugleich Sitz des Landrats des Landkreises Miesbach.

(7a) Portiunkulakirche
Die Portiunkulakirche ist benannt nach dem uralten Kirchlein in Assissi.
Die Kirche wurde um das Jahr 1659 erbaut. Die Säcularisation drohte auch der Portiunkulakirche. Am 20. Sept. 1809 verfügte die churfürstliche Kirchenadministration die Kapelle als entbehrlich und sollte abgebrochen werden. Die Gemeinde Miesbach rettete die Kirche indem sie diese zum Schätzpreis kaufte.

(7b) Ehemaliges Kloster
Das ehemalige Kloster der Armen Schulschwestern wurde 1865 noch von der Ordensgründerin, der Seligen Mutter Maria Theresia von Jesu Gerhardinger gegründet.
Das Kloster wurde 2005 geschlossen und gelangte schließlich im Jahre 2010 durch den gemeinsamen Ankauf durch die Stadt Miesbach und der Bürgerstiftung Miesbach in öffentliche Hand.

(8) Dieser ehemaligeSchloß-Bau, das heutige Vermessungsamt, 1611 von „Wilhelm von Maxlrain“, „Freiherr zu Waldeck“ errichtet, erscheint jetzt in sehr schlichter Form. Das errichtete Schloß war in erster Linie als Sitz des Pflegers und der herrschaftlichen Verwaltung im wichtigsten und zentralen Ort der Herrschaft Hohenwaldeck. Die herrschaftliche Familie residierte im nahen Schloß Wallenburg, nördlich von Miesbach. Die zweigeschossige Anlage besaß ursprünglich vier Ecktürme mit Zwiebelhauben, ein weit verbreiteter Typus altbayerischer Landschlösser des 16./17. Jahrhunderts. Die starken Vereinfachungen seit Entfernung der Ecktürme 1734 (Miesbach wird bayerisch) und dem Ortsbrand von 1783 hinterließen einen ungegliederten Rechteckbau, der lediglich im Innern noch barocke Anklänge im Erdgeschoßflur besitzt.

Im Norden des ehemaligen Schlosses befindet sich die „Portiunkula Kirche“. Diese katholische Kirche „St. Franziskus“ wurde 1659 erbaut und ist benannt nach der Marienkapelle in Assisi (Italien – Lieblingskirche des Hl. Franz von Assisi). Sie ist leider nur noch bei besonderen Anlässen geöffnet.

(9) Beer: Als eines der wenigen Gebäude blieb das ehemalige Weinhaus Beer (erbaut 1623), heute eine italienische Pizzeria, (Stadtplatz 9) beim Brand 1783 unzerstört. Interessant ist das Wandbild von 1800 mit der Ortsansicht und einer Darstellung des Hl. Florian. Die Fensterstuckrahmen stammen aus der Rokokozeit.

(10) Stadtplatz: Mittelpunkt des Stadtplatzes ist der St.Michaelsbrunnen, 1905 in Erinnerung an die Sendlinger Mordweihnacht von 1705 nach einem Entwurf des Münchner Bildhauers Prof. Bernhard Bleeker als Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Kriege 1705, 1866 und 1870/71 errichtet. Aus dem Schalenbrunnen erhebt sich der Hl. Michael über dem besiegten Drachen. Der Guß der Bronzefigur erfolgte in der Erzgießerei Ferdinand von Millers. Der Brunnen und die Lindenbepflanzung sind charakteristisch für die Platzgestaltung während der Prinzregentenzeit.

Viele Gebäude rund um den Stadtplatz sind ehemalige, zum Teil dreigeschossige Gasthöfe, die sich durch den Marktverkehr, den Salztransport und die blühende Miesbacher Marienwallfahrt im 18. Jahrhundert, aber auch durch den aufkommenden Fremdenverkehr des 19. Jahrhunderts entwickelten.

(11) Waitzinger Bräu: Der stattliche dreigeschossige Bau des Gasthofes Waitzinger mit Walmdach beherrscht den Platz im Süden. Von diesem Bau ging der große Ortsbrand 1783 aus. Der jetzige Bau wurde 1783 - 1785 errichtet und 1922 mit einer Eingangsnische im Jugendstil sowie dem Wallfahrtsbild umgestaltet. Die Waitzingerbrauerei, 1817 von der Familie Waitzinger erworben, entwickelte sich zur bedeutendsten Privatbrauerei Südbayerns und zur größten außerhalb Münchens.

Das Fresko an der Platzseite des Waitzingerbräus erinnert an die berühmte Miesbacher Wallfahrt zur "Schmerzhaften Mutter unter dem Kreuz" in der Stadtpfarrkirche, die alljährlich im 18. Jahrhundert Tausende von Pilgern aus Altbayern, Schwaben und Tirol anzog und Reichtum für die Miesbacher Bewohner mit sich brachte. Der Legende nach gab das Gnadenbild ein so helles Licht in der Nacht, daß viele Gläubige auf dieses Wunder hin kamen und sich daraus die Wallfahrt entwickelte. Die erste Gebetserhörung wird vom Juli 1693 berichtet, als ein Thomas Auracher von schwerem Augenleiden befreit wurde. Die Mirakelbücher von 1695 - 1703 berichten von 13.330 Gebetserhörungen, zum Teil von ganz hervorragender Art.

(12) Priesterhaus: Die heutige Haus Stadtplatz Nr.1 diente zwischen 1722 und 1804 als Priesterhaus, in dem zeitweise zehn bis zwölf Pfarrkooperatoren und Wallfahrtspriester wohnten. 1695 bis 1703 wurden im großen Wallfahrtsort Miesbach etwa 13000 Gebetserhörungen niedergeschrieben. 1783 brannte das Haus ab und wurde neu erbaut. 1905 kam ein drittes Obergeschoß mit Schopfwalmdach und Balusterbalkon im barockisierenden Heimatstil dieser Zeit hinzu. Von 1804 – 2002 war hier die „Alte Stadtapotheke“ untergebracht.
Über den abschüssigen Lebzelterberg wandern wir weiter.

(13) Trachtenbrunnen: Ein kleiner Trachtenbrunnen, von der Irschenberger Bildhauerin Ursula Kemser-Dieß 1986 geschaffen, steht am oberen Lebzelterberg. Eine Frau im Miesbacher Kirchengwand ist inmitten eines kleinen zierlichen Steinbrunnens zu sehen. Er erinnert neben weiteren Szenen (z.B. Trachtenpaar am Maibaum, Fresko an der Trachtenhütte, Eingangsfiguren an den vier Einfallstraßen Miesbachs) daran, daß Miesbach die "Wiege der Trachtenbewegung" ist.

(14) Lebzelter: Der Lebzelterberg hat seinen Namen vom Lebzelter, der ursprünglich Lebzelten, d.i. Lebkuchen, Kerzen, Honigartikel (z.B. Met) und Backwaren fertigte. Heute führt die bestehende Konditorei mit Café die alte Tradition fort. Ein barocker Adeliger in Modelform ist auf der nördlichen, der Lebzelterbergseite, zwischen den Fenstern auf dem Putz aufgebracht.

 (15) Fresko: Ein bemerkenswertes Fresko ist ferner am Lebzelterberg zu sehen.
 Am Anwesen Lebzelterberg 2 das Fresko von Richard Schaupp, (um 1935) mit einerSzene aus dem „Oberländer Bauernaufstand“ von 1705. Bei diesem Volksaufstand, auch „Sendlinger Mordweihnacht“ genannt, sind seinerzeit ca. 1500 Männer gefallen.

(16) Marktplatz: Wir befinden uns nun am Marktplatz, von vielen nach der alten Bezeichnung immer noch "Unterer Markt" genannt (im Gegensatz zum "Oberen Markt" = Stadtplatz). Der historische Haustyp dominiert im Bereich des Marktplatzes, und zwar sind es frühere Bauernhäuser der Ackerbürger, Handwerkeranwesen der Schmiede, Huterer, Säckler, Schäffler usw. sowie Wohnhäuser der Bergleute. Im Gegensatz zum städtisch geprägten Stadtplatz mit seinen mehrgeschossigen Anwesen sind hier die ländlichen, kleinen, geduckten Häuser zu finden - ausgenommen einige beherrschende Anwesen wie der "Bräuwirt" oder einige Geschäftshäuser auf der Westseite und zur Rathausstraße hin, die allerdings erst um und nach der Jahrhundertwende entstanden.

(17) Maibaum: Mitten auf dem Marktplatz prangt der 30 Meter hohe Maibaum, zum ersten Mal in dieser Form 1968 hier errichtet. Früher wurden in Miesbach kleinere Maibäume errichtet, z.B. an der Trachtenhütte oder in den 30er Jahren auch am Marktplatz. Seit 1968 wird alle 5 Jahre mit Hilfe von sogenannten „Schweiberln“ und menschlicher Muskelkraft dieser mächtige Baum mit den vielen Zunftzeichen aufgestellt. Das Stadtwappen und die weiß-blaue bayerische Fahne sind an der Spitze des weiß-blauen Maibaums angebracht. Der damalige Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller entwarf den Figurenschmuck. Von oben nach unten und von links nach rechts sind folgende Zunftzeichen mit den Attributen der einzelnen Stände zu sehen: Drechsler, Lederer/Säckler, Metzger, Schmiede/Schlosser, Huterer (Hutmacher), Schneider/Schuster,  Schreiner/Zimmerer, Maler/Maurer, Kaufleute, Lehrer/Beamte mit dem Amtsschimmel, Bergleute, Bauern, Bäcker und Brauer. Dazu kommt ein Trachtenpaar mit dem Kronentanzbogen - das Dirndl im festlichen seidenen Miedergewand der Unverheirateten. Allein diese Zunftschilder haben ein Gewicht von ca. 800 kg. Das Gesamtgewicht dieses Maibaumes ist ca. 3200 kg, bei einer Länge von ca. 26 m.

(18) Märchenbrunnen: Neben dem Maibaum steht der Märchenbrunnen. Als im 17. Jahrhundert der heutige Stadtplatz für die Roß- und Viehmärkte zu eng wurde, legte man den Unteren Markt am Rand der Schlierach an, die damals in vielen Ausläufern bis an die Ostseite an die Hangkante des neuen Marktes heranmäanderte. (Noch im vergangenen Jahrhundert hieß der Bräuwirt "Bräu an der Schlierach"). Zum Tränken der Tiere benötigte man Wasser. Im 18. Jahrhundert wird ein Holzbrunnen erwähnt. 1921 wurde der Märchenbrunnen im Zug einer Platzverschönerung von Architekt Karl Wegele errichtet. Die Figuren entwarf der Münchner Professor Georg Römer, der als Mittelsäule eine gekrönte Ente vorsah. Frosch, Schnecke, Krebs und Schildkröte sind am Rand des Brunnens zu finden. Wegen des schlechten Zustandes wurde 1972 der Brunnen umgestaltet und erhielt sein heutiges Aussehen.
Der Marktplatz ist Schauplatz der wöchentlichen Grünen Märkte und Bauernmärkte an jedem Donnerstagvormittag, sowie der viermaligen Jahrmärkte, weiterer Märkte und vieler Veranstaltungen.

(19) Himmisepp: Zu den ältesten Häusern Miesbachs zählt das Gasthaus "Himmisepp", heute eine italienische Pizzeria (Marktwinkl 10). Es blieb vom Ortsbrand 1783 verschont und zeigt im Obergeschoß zum Teil einen offenen Blockbau. Hervorragend ist die barocke, geschnitzte Gottvaterfigur in den Wolken mit Szepter und Reichsapfel als Attribute aus dem 18. Jahrhundert. Der Name "Himmisepp" stammt von einem früheren Besitzer namens Josef Himmel.

(20) Evangelische Kirche: Im Süden erhebt sich der spitze Turm der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche, der sich harmonisch in das Miesbacher Stadtbild einfügt. 1908 konnte die kleine Miesbacher evangelische Gemeinde, bis dahin von Tegernsee und Rosenheim pastoriert, nach langen Vorbereitungen ein eigenes Gotteshaus bauen. Das Äußere, sehr schlicht gehalten, erscheint in modern-historisierender Form. Im Innern sehen wir eine offene Holzdecke, über dem Chorbogen befinden sich Darstellungen der vier Evangelisten und die Rundbogenfenster enthalten farbige Glasgemälde. Das Altarbild mit einer Darstellung des Gekreuzigten stammt vom Miesbacher Maler Fritz Freund. Neben der Kirche wurde 1984/85 ein Gemeindehaus erbaut. Eine Einfriedungsmauer trennt Kirche, Gemeinde- und Pfarrhaus sowie den Garten an der Schlierach von dem umtriebigen Lärm der Rathausstraße.

Auf der Westseite der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche sehen wir die von Süd nach Nord durch Miesbach fließende Schlierach, welche über die Mangfall und Inn in die Donau fließt. Der Bach entspringt dem Schliersee (See) im Ortsbereich der gleichnamigen Ortschaft und fließt Richtung Norden über Hausham und Miesbach der Mangfall zu, in der sie bei Flußkilometer 45,72 mündet. Dabei legt sie eine Fließstrecke von 13,1 km zurück. Sie hat ein Einzugsgebiet von insgesamt 73,4 km². Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beträgt für das Einzugsgebiet ca. 1300 mm pro m².

(21) Trachtenstraße: Entlang der Rathausstraße gelangen wir zum Rathaus. Auf der Ostseite des Rathauses beginnt die Fraunhoferstraße, welche auch die „Trachtenstraße von Miesbach“ genannt wird. Wer am Anfang der Straße mit dem Einkauf von Trachtenware beginnt, ist am anderen Ende der Straße komplett mit einer „Original bayerischen Tracht“ ausgestattet. Neben Trachtenschneider und dem Säckler welcher die original bayerische Lederhose herstellt, bis zum Trachtenschmuck-Geschäft und Hutgeschäft, findet man hier alles, was zum Kauf einer echten bayerischen Tracht benötigt wird.

(22) Rathaus: Nach diesem kurzen Abstecher in diese Straße, gehen wir wieder zurück zum Rathaus. Am Platz des ehemaligen Salzstadels wurde das Rathaus im Neurenaissancestil errichtet und 1880 eingeweiht. Der stattliche Bau dokumentiert das Selbstbewußtsein des Miesbacher Bürgertums und seines Magistrates in der sog. Gründerzeit. Das Gebäude wurde unter dem tatkräftigen Bürgermeister Johann Baptist Wallach gleichzeitig als Knabenschulhaus erbaut, bis dann 1937 Knaben- und Mädchenschule vereinigt wurden und ein Neubau an der Münchner Straße entstand. In der Eingangshalle befinden sich vier bemerkenswerte Fresken aus der Stadtgeschichte, gemalt 1968 von Sepp Stallhofer.

(23) Kraftübertragungs Denkmal: Zwischen Rathaus-Westseite und Bahnübergang befindet sich das Denkmal zur ersten Kraftstromübertragung der Welt. Oskar von Miller und Marcel Deprez gelang es am 16. September 1882 zum ersten Mal, bei der Internationalen Elektrizitätsausstellung in München den Nachweis zu erbringen, daß hochgespannte Elektrizität auch über größere Entfernungen transportiert werden kann. Miesbach wurde als Ort der Übertragung ausgewählt, weil das Bergwerk in technischer Hinsicht führend war und Oskar von Miller mit dem Bergwerksdirektor Carl Fohr befreundet war. Fohr stellte für das Experiment einen kleinen Dampfmotor zum Antrieb des Dynamos bereit. Dieser speiste die Freileitung, die aus zwei Drähten einer Telegrafenleitung bestand, mit einer Gleichspannung von 1343 Volt. Bei einem Wirkungsgrad von damals nur 22 % wurden etwa 1,5 PS übertragen. Sie reichten aus, um im 57 km entfernten Glaspalast in München mittels einer elektrischen Pumpe einen künstlichen Wasserfall zu erzeugen. Der Versuch gelang auf Anhieb, und allen war klar: Ein neues Zeitalter auf dem Gebiet der Elektrizität hatte begonnen.
1982 wurde dieses Denkmal von Architekt Norbert Widmoser aufgestellt, das der Künstler folgendermaßen interpretiert:
"Das Universum (Quelle aller Energien), dargestellt als negative Kugel, entwickelt sich aus dem Platz und stellt den Minuspol dar. Die darüber schwebende Kugel (die Erde) bildet den Pluspol; das Wasser die Antriebsenergie. Um die Erdkugel spannt sich ein Band der Formeln für den Widerstand und die Spannung, die diese technische Großtat ermöglichen."

(24) Marienplatz: Über mehrere Winkel und Gassen kommen wir zum Marienplatz.
Auf der Westseite des Marienplatzes befindet sich am Haus der Konditorei Kern (Rückseite des Hauses Frühlingstraße 21) das große Wandbild der „Hochzeit vonKana“. Das 1936 im Stil einer alpenländischen Wirtsstube gemalte Wandfresko von „Heinrich Bickel“ wurde im sogenannten Heimatstil gestaltet.

Die zierliche Mariensäule auf der Südseite des Platzes hat der Rosenheimer Bildhauer Josef Hamberger 1962 geschaffen. Die heilige Maria ist zusammen mit dem Jesuskind in Bronze in einer Größe von eineinhalb Metern an einer drei Meter hohen Travertin-Steinsäule dargestellt. Jedes Jahr zieht die Miesbacher Pfarrgemeinde am Vorabend von Mariä Himmelfahrt (15. August) in einer feierlichen Lichterprozession von der Pfarrkirche am Abend hierher, um gemeinsam zu beten.

Bei der Neugestaltung des Platzes 1993 stellte man gegenüber der Mariensäule auf der Nordseite des Marienplatzes den Taubenbrunnen auf. Der Valleyer Künstler Karl Jakob Schwalbach fertigte ihn im Auftrag der Stadt an. In der Bibel wird erzählt, daß der Heilige Geist bei der Taufe Jesus wie eine Taube auf ihn herabgekommen sei. Deshalb wurde die Taube zu einem Zeichen des Heiligen Geistes, und sie wird auch als Symbol des Friedens bekannt. Mehrere Inschriften auf dem Brunnen weisen auf die christliche Symbolik hin.

An der Südseite des Marienplatzes biegen wir in die Kirchgasse ein.
An dem ehemaligen Handwerkerhaus in der Kirchgasse 8 sehen wir im Giebelfeld das

(25) Fresko des Haberfeldtreibens:
 Miesbach war Zentrum des bäuerlichen Rügegerichtes, des "Haberfeldtreibens", von ca. 1700 bis 1883 mit dem letzten großen Treiben am Miesbacher Kreuzberg der Höhe- und Endpunkt des inzwischen ausgearteten nächtlichen Treibens stattfand. Nach den Vorstellungen des Ortsverschönerungsvereins "Gemeinschaftsring" wurden um 1937 in Miesbach mehrere Häuser gestaltet, so auch hier mit der Malerei des in Großseeham ansässig gewordenen Berliners Ludwig Siekmeyer.

(26) Stadtpfarrkirche: Machtvoll erhebt sich über der Kirchgasse die katholische Stadtpfarrkirche „Mariae Himmelfahrt“, nach dem Brand von 1783 von Johann Baumgartner neu errichtet. (Frühmess Stiftung 1312). Wie wir aus Beschreibungen wissen, war die Miesbacher Kirche ein Hauptwerk der barocken Miesbacher Stuckatorenschule (nach der Wessobrunner die bekannteste Stuckatorenschule Altbayerns) und der bedeutenden Miesbacher Bildschnitzerei von der Spätgotik bis zum Rokoko. Nichts blieb beim Brand außer dem Mauerkern des Chors, den Strebepfeilern und dem Turmunterbau übrig.

Die Kirche wurde als schlichter Saalbau 1783 - 1786 aufgerichtet. Charakteristisch für den Außenbau sind der elegante frühklassizistische Turmabschluß und das gefällige gebrochene Chordach. Die reiche neuromanische Ausgestaltung der Kirche, in der sich das Selbstverständnis des wohlhabenden Miesbacher Bürgertums des 19. Jahrhunderts manifestierte (wie im Rathausbau) wurde 1936/37 und dann gänzlich 1962/63 entfernt. Erhalten geblieben ist die aus den Flammen gerettete Wallfahrtsfigur der "Mater Dolorosa", 1665 von Johann Millauer geschnitzt, die 1963 in die damals neu zusammengefügte, frei im Chor herabhängende Kreuzigungsgruppe mit zwei Seitenfiguren eingefügt wurde. Den Christuskörper hat Roman Anton Boos vor 1783 geschnitzt. Diese mächtige Kreuzigungsgruppe ist Mittelpunkt des Kirchenraumes. Gesamtrenovierung nach den Plänen von Alexander Freiherr von Branca 2001.

 Auszug aus der Miesbacher Geschichte:

In einem Vertrag zwischen Bischof Heinrich von Freising und Abt Aribo von Tegernsee im Jahre 1114 wurde Miesbach erstmals erwähnt.

1527 Erster großer Brand. Die Kirche wird so stark beschädigt, dass sie abgetragen und neu gebaut werden muss.

1611 Wilhelm von Maxlrain erbaut das Schloss.

1637 Wilhelm von Maxlrain wird von Kaiser Ferdinand II. zum Freien Reichsgrafen erhoben, die Herrschaft Waldeck zur „Unmittelbaren Freien Reichsgrafschaft Hohenwaldeck“.

1659 Bau der Portiunkulakirche.

1705 – 1715 Johann Baptist Zimmermann lebt als Bürger in Miesbach.

1740 Das Kurfürstliche Bräuhaus wird errichtet.

1783 Zweiter großer Brand: bis auf ein paar Gebäude brennt der ganze Markt ab.

1803 Auflösung der Grafschaft Hohenwaldeck und Umwandelung in ein Landgericht, dessen Nachfolger ist der heutige Landkreis Miesbach.

1812 Miesbach erhält von König Max I. Joseph das Marktwappen verliehen.

Ab 1837 Beginn der Züchtung des Miesbacher Fleckviehs.

Ab 1849 Industiemäßige Kohleförderung in Miesbach

1859 Gründung der „Gesellschaft Gemüthlichkeit“ der ersten Trachtenvereinigung

1880 Einweihung des Rathauses.

1882 Erste Stromübertragung von Miesbach nach München durch Oskar von Miller und Marcel Deprez. Einführung der elektrischen Beleuchtung in Miesbach

1911 Auflassung des Bergwerks Miesbach.

1918 Miesbach wird durch König Ludwig III. zur Stadt erhoben.
 

[Start] [Miesbach] [A-Z  Gäste] [A-Z  Gewerbe] [A-Z  Sozial] [A-Z Gesund] [A-Z  Behörden] [A-Z Vereine] [Chronik] [(D) Rundgang] [Plan / Foto] [(GB) English] [(F) France] [(E) Espana] [(I) Italiano] [(PL) Polski] [(HR) Hrvatski] [(SRB) Srpski] [Speisekarte] [Links] [Impressum] [Thoba] [Webcam]